Ja zur Bildungsvorlage, Netflix für Sprachbäder

Als Mutter zweier Teenager bekomme ich die Mühen unserer Kinder mit den Französischlehrmitteln «Mille feuilles» und dem darauf aufbauenden «Clin d’œil» hautnah mit. Anfangs konnte ich der Vorgehensweise einiges abgewinnen. Das Konzept, Sprachen situationsbezogen zu lernen, kann ich nachvollziehen. Auch die Idee des «Sprachbads» finde ich löblich.

Einen französisch- oder englischsprachigen Film schaue ich auf Netflix meist in der Originalsprache. Ich schätze es, in die Geschichte einzutauchen und die Sprache en passant zu üben. Verstehe ich etwas nicht, hilft ein Übersetzungsprogramm – vorausgesetzt, ich habe der Spur nach mitbekommen, um was es geht und wie ich es eingeben muss.

Genau da liegt das Problem: Man muss ein Grundverständnis für die Sprache entwickelt haben und wissen, wie sie funktioniert. Die aktuellen Lehrmittel vermitteln diese Basis zu wenig. Dies wurde erneut bei einem Einstufungstest bei einem meiner Kinder deutlich: Das Resultat fiel ernüchternd aus. Und es ist wenig tröstlich, dass sich das tiefe Niveau nach 6 Jahren Französischunterricht in der Klasse durchzieht.

Der «Änderung des Bildungsgesetzes», die den Lehrpersonen eine beschränkte Wahlfreiheit bei den Lehrmitteln zustehen will, ist dringend zuzustimmen. Sie hilft, die Vorgaben zu den Lehrplänen der Sprachenfächer zu erreichen. Meine Kinder profitieren davon kaum mehr. Für sie gibt es Netflix – in Originalsprache und ohne Untertitel.

Brigitte Vogel, Kandidatin FDP für den Gemeinderat